Helden hinter den Kulissen Teil 1
Details- Details
- Veröffentlicht am Dienstag, 03. November 2009 00:30
- Geschrieben von Stephan Mühr
In unserer Serie "Helden hinter den Kulissen", werden wir im Laufe der Saison verschiedene Leute interviewen, die nicht im Rampenlicht stehen aber für den reibungslosen Verlauf eines Spieltages bzw. für das Team unerlässlich sind.
In Teil 1 haben wir unseren Betreuer Nader Feyzi befragt um euch einen Einblick in die Arbeit eines Betreuers zu geben. Das Interview führten für das SFP Stephan Mühr und Sonja Kruse.

SFP: Wie lange bist Du im Eishockey bzw. im Verein tätig?
Nader: Meine Tätigkeit als Betreuer habe ich 1996 am Pferdeturm aufgenommen. Ich war ca. 2 Jahre für die Hannover Turtles tätig, bevor ich im Dezember 1998 zu den Scorpions gewechselt bin.Zum 01.05.2004 erfolgte meine Festanstellung bei den Scorpions, seit dem bin ich hauptberuflich als Betreuer tätig.
SFP: Was sind Deine Aufgaben als Teambetreuer bzw. wie sieht Dein Arbeitstag aus?
Nader: Oftmals bin ich morgens der Erste und abends der Letzte in der TUI-Arena. Vor dem Training bereite ich die Ausrüstung sowie die Getränke für die Jungs vor. Reparaturarbeiten an den Ausrüstungsgegenständen führe ich ebenfalls durch. Die Aufgaben teile ich mir mit Peter Schäfer, dem 2. festangestellten Betreuer. BeiTrainingseinheiten am Abend in Mellendorf sowie an Spieltagen werden wir außerdem von Uwe Pauli unterstützt, der nebenberuflich für die Scorpions aktiv ist.
Peter sorgt außerdem für den richtigen Schliff der Schlittschuhkufen. Wir müssen außerdem nach dem Training die Schwitzwäsche waschen sowie Schlitt- , Handschuhe, Torwartschienen und “Schoner“ der Spieler trocknen. Wir verwalten das Material und sorgen für Nachschub, bestellen also Schläger und alles weitere, was für den Trainings- und Spielbetrieb benötigt wird.
Die Gästeteams werden von uns mit Getränken und Handtüchern versorgt, diesen Service genießen wir bei Auswärtsspielen natürlich auch. Das ist in der DEL üblich.
SFP: Wie läuft Dein Spieltag im Allgemeinen ab?
Nader: Bei Heimspielen am Sonntag bin ich gegen 11 Uhr in der Arena und bereite die Kabine vor. Hänge also den Spielern z. B. Ihre Trikots hin, sorge für ausreichend Tape und checke die Ausrüstung.
Kaugummi, Bananen und Kuchen besorge ich ebenfalls für die Jungs. Getränkeflaschen sowie ne große Kanne Kaffee sind, wie im Trainingsbetrieb, ebenfalls vorzubereiten.
Sollten die Heimspiele unter der Woche stattfinden, ist Vormittags meistens noch Training angesetzt, ich bin dann in der Regel von 8-13 Uhr in der Halle. Von 15 Uhr bis „Open End“ geht dann der eigentliche Spielbetrieb. Nach dem Spiel muss die Ausrüstung, wie nach den Trainingseinheiten, wieder gepflegt und für das nächste Training vorbereitet werden. Diese Tätigkeiten werden von uns Betreuern allesamt als Team bestritten.
Zu Auswärtsspielen fahren wir mit dem Materialbus den Spielern voraus. Wenn das Team ankommt, findet es die Kabine bereits fertig vor, damit eine gewisse Heimspielatmosphäre aufkommt. Das ist bei anderen Teams keinesfalls selbstverständlich, wir machen das allerdings gerne. Neben Trikots, Schlägern, Schlittschuhen und den anderen Ausrüstungsgegenständen, die zum Spiel gebraucht werden, haben wir eigentlich auch immer ein Spinning-Fahrrad dabei. Wer will, kann sich darauf aufwärmen. Nach dem Spiel geht’s dann zügig zurück, die große Wäsche steht an...

SFP: Dein schönstes/lustigstes Erlebnis mit den Scorpions
Nader: Der sportlich tollste Moment war die Viertelfinalserie in den Playoffs 2001, wo wir als krasser Außenseiter die Kölner Haie geschlagen haben und ins Halbfinale eingezogen sind. Köln war damals eine absolute Übermannschaft und für alle Experten war klar, die kicken uns locker mit 3:0 Siegen raus. Aber es sollte anders kommen...
Die Playoffs 2006 und 2009 waren natürlich auch super, 2001 war aber auf Grund der Konstellation für mich das Highlight.
Lustige Momente gab und gibt es natürlich viele. Besonders in Erinnerung ist mir allerdings folgende Schote geblieben. Wir sind 2006, einen Tag vor einem Spiel in Mannheim, mit dem Team in einem Heidelberger Hotel abgestiegen. Dort gab es keine Zimmerschlüssel sondern, wie heute oft üblich, Keycards. Das Hotel hatte an diesem Tag technische Probleme mit dieser Schließtechnik. Ein Spieler (Diskret wie wir sind, werden natürlich keine Namen genannt ;-)) war am Abend noch etwas spazieren und stand nach Rückkehr ins Hotel vor der Zimmertür, von der er dachte, es wäre seine. Er hatte sich allerdings geirrt und natürlich funktionierte die Keycard nicht. Da besagte Technik-Probleme herrschten, wandte er sich an die Rezeption und die Mitarbeiter des Hotels öffneten ihm die Zimmertür. Der Nichtgenannte verschwand im Zimmer sogleich auf dem Klo und wollte sich dann halbnackt schlafen legen. Aus Rücksicht auf den bereits schlafenden Kollegen wurde das Zimmerlicht natürlich nicht angeknipst. Er wunderte sich zwar, dass die Möbel und Betten nicht so standen, wie er es in Erinnerung hatte, aber was solls. Rein ins Bett! Die beiden dort schlafenden Betreuer bekamen, genau wie besagter Spieler, nen Riesenschreck. Am nächsten Tag beim Frühstück war das Gelächter natürlich groß... Ich war nur froh, dass ich nicht in diesem Zimmer genächtigt habe.
SFP: Bitterster Moment in Deiner Zeit bei den Scorpions?
Nader: Da gibt es eigentlich keinen.
SFP: Wie ist Dein Verhältnis zu den Scorpionsfans?
Nader: Der Kontakt im Mellendorfer Icehouse war enger, da Team und Fans nach den Spielen halt oft zusammen in der Icehouse Kneipe waren. Da konnte man direkt das Gespräch suchen. Nach dem Umzug in die TUI-Arena ist das natürlich alles etwas weniger geworden. Natürlich habe ich aber Kontakt zu einigen Fans, mit denen ich mich auch sehr gut verstehe.
SFP: Wie findest Du die Stimmung in der TUI-Arena bzw. wo herrscht die beste Atmosphäre?
Nader: Stimmung und Atmosphäre steht und fällt oft mit dem Spiel bzw. Erfolg. In der TUI-Arena sind zwar manchmal nicht soooo viele Leute, aber die Fans die zu den Spielen kommen, unterstützen uns super! Bestes Beispiel waren die ersten beiden Heimspiele der noch jungen Saison gegen Frankfurt und Wolfsburg. Das Team wurde auch nach den beiden 1:5 Niederlagen nicht ausgepfiffen und während der Spiele trotz deutlichen Rückständen noch angefeuert. Das war einfach klasse!
SFP: Dein Lieblingseisstadion und warum gerade dieses Stadion?
Nader: Ohne besonderen Grund bin ich eigentlich immer gerne zu unseren Spielen nach Schwenningen gefahren.
SFP: Was machst Du gerne in Deiner Freizeit bzw. in der Sommerpause?
Nader: Im Sommer engagiere ich mich beim Inlinehockey als Betreuer bei den Bissendorfer Panthern, allerdings erst seit diesem Jahr und auch nur an den Spieltagen. Mit dem Trainingsbetrieb hab ich dort nichts zu tun. Ansonsten spiele ich sehr gern Skat, relaxe und folge gerne mal Einladungen gewisser Fans zum Grillen ;-).
SFP: Welche/n ehemaligen Scorpions-Spieler vermisst Du?
Nader: Da gibt es so Einige! Todd Simpson, Jeff Finley, Wally Schreiber, Rob Murphy, Scott Metcalfe, David Haas, Lenny Soccio, David Sulkovsky um nur einige zu nennen.
SFP: Warum gerade den/die Spieler?
Nader: Nehmen wir als Beispiel David Sulkovsky. Mit dem bin ich schon lange eng befreundet, war auf seiner Hochzeit und treffe mich oft mit ihm, wenn es unsere Zeit erlaubt.
SFP: Welchen Vereinen außer den Scorpions drückst Du die Daumen?
Nader: Einmal Roter, immer Roter! Hannover 96 natürlich!
Wir danken Nader im Namen des Scorpions-Fanprojekts für dieses Gespräch und die Einblicke in seine Arbeit.

