Helden hinter den Kulissen Teil 2: Jens Hoppe

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In unserer Serie "Helden hinter den Kulissen", werden wir im Laufe der Saison verschiedene Leute interviewen, die nicht im Rampenlicht stehen aber für den reibungslosen Verlauf eines Spieltages bzw. für das Team unerlässlich sind.

In Teil  2 haben wir unseren Eismeister Jens Hoppe befragt, um euch einen Einblick in die Arbeit eines Eismeisters zu geben. Das Interview für das SFP führte Stephan Mühr.

 

 SFP: Was sind Deine Aufgaben als Eismeister?

 

Jens: 100 % perfektes Eis machen, sonst gibt es Ärger mit Hans! (lacht) Nein, im Ernst. Wir messen die Eisstärke, pflegen das Eis, fräsen die Kanten der Eisfläche und stellen die Tore auf (zumindest im Training) . Außerdem schaufeln wir 6 Monate im Jahr Schnee!

 

 

 

 

SFP: Wie lange bist Du schon als Eismeister in der TUI-Arena tätig und wie bist Du an diesen Job gekommen?

 

Jens: Ich bin jetzt seit gut 3 Jahren dabei. Ein Kollege hier aus der Arena hat mir erzählt, dass Bedarf besteht. Seitdem gehöre ich zum Team.

SFP: Wer gehört noch zum Eismeister-Team?

 

Jens: Wir sind 3 Kollegen. Ralf Mackensen und Jörg Siegel bilden mit mir das Eismeister-Team.

SFP: Wie wird man Eismeister und wie lange dauert die “Ausbildung“?

 

Jens: Es gibt keine klassische Ausbildung. Man guckt sich die Tricks und Kniffe bei anderen Eismeisterkollegen ab, die schon länger dabei sind. Der VDEM e. V. (Verein der Eismeister) bietet mittlerweile Lehrgänge an, die man besuchen kann.

SFP: Machst Du den Job ehrenamtlich oder hauptberuflich?

 

Jens: Ich bin hier nebenberuflich tätig, da ich im Hauptberuf meine eigene Firma betreue. Es gibt hier 1 hauptberuflichen Eismeister und 2 Eismeister, die nebenberuflich auf 400 EUR Basis angestellt sind.

SFP: Was machst Du außerhalb der Eishockeysaison?

 

Jens: Die Sommerpause geht so ca. 3 Monate. Wir treffen uns dann mal zur Maschinenpflege und polieren z. B. die Zambonis. Ansonsten ist es halt auch mal schön, dass Wochenende frei zu haben (lacht).

SFP: Wie sieht Dein Spieltag aus?

 

Jens: Ich bin ca. 2,5 Stunden vor dem Spiel in der Halle. Zuerst laufe ich über das Eis und prüfe, ob es Beschädigungen gibt. Löcher flicken dauert ziemlich lange, da muss ich dann sofort tätig werden. Außerdem checke ich die Bande und fräse die Eiskanten an der Kickleiste (unterer Teil der Bande, wo zur Zeit die Gelbe Seiten Werbung angebracht ist). Vor dem Warm Up fahre ich dann 1-2 mal mit der Eismaschine über die Fläche.

Nach dem Warm Up beginnt ja schon die Einlaufshow. Sprich, die Halle wird abgedunkelt und das ist bei uns gefürchtet. Man sieht nicht viel und durch die laute Musik hört man die Maschine auch nicht.

Während des Spiels muss man ständig greifbar sein um bei Problemen (z. B. Löcher im Eis) sofort eingreifen zu können. Sollte mal eine Scheibe zu Bruch gehen, muss ich die Scherben vom Eis entfernen. Und mal zur Info, eine Scheibe kostet übrigens so um die 400 EUR.

Nach dem Spiel räume ich die Tore weg. Falls die Arena für Konzerte oder Veranstaltungen benötigt wird, mache ich noch die Eisfläche stumpf, damit die Techniker mit dem Bühnenaufbau beginnen können.

SFP: Welche Vorschriften für das Eis gibt es von Seiten der DEL (z. B. Eisdicke)?

 

Jens: Vorschriften gibt es eigentlich nicht, da die Beschaffenheit der Eisfläche immer Hallen-spezifisch ist. Wir machen das Eis eigentlich immer 3-3,5 cm dick. Wichtig ist, dass die Eisfläche eben ist. Wenn wir z. B. am nächsten Tag ein Konzert haben, wäre es ja schlecht, wenn ein Seite höher als die Andere wäre und die Abdeckungen schief wären.

Generell kriegen wir von den Spielern oft Lob für die gute Eisqualität in der TUI-Arena.

SFP: Wie oft musst Du mit der Eismaschine über die Fläche fahren, um die erforderliche Stärke des Eises zu erreichen?

 

Jens: Die Grund-Eisstärke von 10-15 mm wird mit dem Schlauch erstellt. In dieser Phase der Eisbereitung werden dann auch die Gitternetzfolien mit der Untereis-Werbung aufgelegt. Wenn wir 10-15 mm Eisstärke erreicht haben, drehen wir noch einige Runden mit der Zamboni. Wenn wir die gesamte Eisfläche einmal abgefahren haben, hat die Eismaschine 800 Liter Wasser auf die Fläche gebracht.

SFP: Wie ist Dein Kontakt zu den Scorpions-Spielern, gibt es Berührungspunkte?

 

Jens: Berührungspunkte gibt es natürlich, wir sehen uns hier in den Katakomben der TUI-Arena natürlich sehr oft. Manche Spieler sind eher still, mit anderen Jungs wie z. B. Sascha Goc quatsche ich aber öfter mal. Natürlich auch mit den Betreuern wie z. B. Nader Feyzi oder Markus Skiba.

Bei den Spielern kommt es auch auf die Situation an. Vor dem Spiel im dunklen Tunnel nehmen die Jungs dich eigentlich gar nicht wahr, da sie hochkonzentriert sind.

Spieler der Gästeteams lassen sich auch öfter mal sehen, wenn Sie beispielsweise vor der Busabfahrt noch Zeit haben. Sven Felski kommt bei den Gastspielen der Eisbären immer mal gern auf nen kurzen Schnack vorbei.

SFP: Wie ist der Kontakt zu den Scorpionsfans?

 

Jens: Kontakt hab ich vor allem zur Tunnelaufbau-Crew, da ich ja am Spieltag eigentlich nur hier unten unterwegs bin. Ansonsten sieht man halt mal Bekannte auf der Tribüne, die kriegen dann auch mal ein freundliches Winken. (grinst)

Um mich zu informieren, was in der Fanszene so läuft, lese ich regelmäßig im Scorpions-Forum und auf Eurer Homepage.

SFP: Spielst Du selbst auch Eishockey?

 

Jens: Ich habe 25 Jahre gespielt, jetzt allerdings nicht mehr. Die Blessuren schmerzen mittlerweile nicht mehr nur einen Tag sondern in meinem Alter ne ganze Woche. (lacht)

Aktiv war ich für EC Hannover 1 B, Salzgitter, Bremer EC und zum Schluß für die MIB Hannover. Höchste Spielklasse war die Regionalliga. Ich war auch als Trainer im Nachwuchsbereich tätig und durfte 2 Jahre für den Niedersächsischen Eissport Verband die Landesauswahl der Damen und die U14 coachen.

Da ich selber gespielt habe, weiß ich natürlich auch, wie das Eis am besten beschaffen sein sollte. Das Wissen kommt mir also für meine Tätigkeit als Eismeister zu Gute.

SFP: Welchen Führerschein braucht man eigentlich für die Zamboni Lachanfall ?

 

Jens: Einen Führerschein oder eine Lizenz braucht man nicht, die Eismaschine hat mit einem normalen Auto auch nicht viel gemeinsam. Sie kostet übrigens zwischen 45.000 und 50.000 EUR und wiegt vollgetankt 5 Tonnen. Angetrieben wird Sie mit Gas.

SFP: Hast Du keine Angst, mit der Maschine mal in die Bande zu krachen?

 

Jens: Das ist mir zum Glück noch nicht passiert, ist aber durchaus schon vorgekommen. Kritisch wird es auch, wenn Gegenstände auf dem Eis liegen, die man leicht überfahren kann. Zum Beispiel Pucks, abgebrochene Teile von Eishockeyschlägern oder z. B. nach Konzertveranstaltungen Schrauben. Unsere kleine "Galerie des Grauens" haben wir an der Zamboni-Garage angebracht. An der Eismaschine kann viel kaputt gehen, wenn man über solche Gegenstände fährt. Kommt aber leider immer mal wieder vor.

SFP: Ist die Zamboni eigentlich das Nonplusultra unter den Eismaschinen?

 

Jens: Absolut ja! Die Zamboni ist noch die alte Schule, man muss viel Handarbeit leisten. Es gibt zum Beispiel noch das Modell Icebear. Diese Maschinen werden von einem deutschen Hersteller aus Osnabrück gebaut. Ich durfte dieses Modell auch schon im Soccio-Center fahren. Auch ne feine Sache, die Technik nimmt einem allerdings viel ab. Ich bleib da lieber bei unseren Zambonis, da ich meine Arbeitstechniken immer einbringen muss. In Wolfsburg z. B. fährt auch ne Icebear, die hat sogar ein GPS-System. Unter der Eisfläche sind Sensoren angebracht, die zeigen dem Fahrer an, wo das Eis wie stark ist. Man hat dadurch natürlich immer eine gleichstarke Eisschicht, wir kriegen das aber auch so hin ;-).

 

 

 

 

SFP: Deine Highlights als Eismeister?

 

Jens: Super waren z. B. die Olympia-Qualifikation und die Deutschland Cups, die wir hier hatten. War schon toll, die ganzen Nationalspieler aus den verschiedenen Ländern hier zu haben.

 

Playoffs mit den Scorpions sind natürlich auch immer was schönes. Wir lassen uns eigentlich immer was besonderes einfallen. Letztes Mal haben wir den Zambonis rote LEDs als Unterbodenbeleuchtung eingebaut und die Frontscheinwerfer mit roter Folie beklebt. Frei nach dem Motto “Family in Red“! Besondere Kopfbedeckungen gibt’s dann auch mal (siehe Anmerkung).

 

Schön ist auch, wenn man mal hinter die Kulissen anderer Veranstaltungen gucken kann, wie zum Beispiel “Holiday on Ice“. Da läuft auch nicht alles rund... (lacht)

 

Außerdem haben wir Eismeister einen kleinen internen Wettstreit. Wir zählen die Heimsiege, an denen wir Dienst hatten und das “Siegereis“ gemacht haben. Letzte Saison hab ich knapp gewonnen. Bei Niederlagen gibt’s dann natürlich auch mal nen dummen Spruch vom Kollegen...

 

(Anmerkung des Fanprojekts: Jens hat uns seine rote Mütze aus den Playoffs 2009 zur Verfügung gestellt. Die Mütze sieht aus wie ein Scorpions-Eishockeyhelm. Auf seinen Wunsch wird die Mütze demnächst zugunsten der Choreokasse via Ebay versteigert! Der Auktionsstart wird Euch wie immer über unsere Homepage, das Kurvenblatt sowie im Scorpionsforum mitgeteilt. Wir danken Jens natürlich für dieses besondere Stück!!!)

SFP: Welche ehemaligen Scorpions-Spieler vermisst Du und warum?

 

Jens: Die “Iserlohn-Connection“ Robert Hock und Brad Tapper. Beides Top-Eishockeyspieler. Und natürlich Oscar Ackeström, das ist einfach ein super Typ!

 

SFP: Frage zum Abschluss, drückst Du anderen Vereinen die Daumen?

 

Jens: Nein, nur den Scorpions!

 

 

Das Fanprojekt dankt Jens herzlich für dieses Interview sowie den Einblick in seinen Arbeitsbereich!

 

 

 

   
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