Helden hinter den Kulissen Teil 3
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- Veröffentlicht am Freitag, 04. Dezember 2009 13:01
- Geschrieben von Stephan Mühr
In unserer Serie "Helden hinter den Kulissen", werden wir im Laufe der Saison verschiedene Leute interviewen, die nicht im Rampenlicht stehen aber für den reibungslosen Verlauf eines Spieltages bzw. für das Team unerlässlich sind.
In Teil 3 haben wir Physiotherapeut Markus Skiba befragt, um Euch einen Einblick in die Arbeit des medizinischen Bereich der Scorpions zu geben. Das Interview für das SFP führte Stephan Mühr.

SFP: Was sind Deine Aufgaben als Physio?
Markus: Da hingehen, wo´s weh tut. (lacht)
Ich muss Verletzungen versorgen und Reha-Maßnahmen koordinieren. Außerdem muss ich viel Aufklärungsarbeit leisten, den Spielern z. B. erklären, was zur Regeneration nötig ist. Ernährungsberatung gehört ebenfalls zu meinen Aufgaben, Aufklärung über Fruchtsäuren etc.
SFP: Wie lange bist Du schon bei den Scorpions und wie bist Du damals ins Team gekommen?
Markus: Ich bin seit der ersten DEL Saison 96/97 an Bord. Eigentlich hat sich das zufällig ergeben. Ich hab damals selbst bei den Juniors des ESC Wedemark ein bißchen Eishockey gespielt und hab beim damaligen Mannschaftsarzt Dr. Igor Silin (mittlerweile leider verstorben) gelegentlich ausgeholfen. Ich hab also tagsüber normal in einer Praxis gearbeitet und abends für die Scorpions. Es wurde dann immer mehr, ich war fast jeden Tag beim Team und hab Behandlungen durchgeführt. Jochen Haselbacher hatte dann ein Einsehen und hat mich zur Saison 97/98 angestellt. Seitdem arbeite ich hauptberuflich für das Team.
SFP: Warst Du vorher schon im Eishockey tätig?
Markus: Nein, während meiner Ausbildung zum Sportphysiotherapeuten in Frankfurt am Main hatte ich aber Praktikumszeiten bei den Fußballern von Eintracht Frankfurt und dem MSV Duisburg. Allerdings sind Fußball und Eishockey 2 Paar Schuhe. Manche Dinge bei den Behandlungen sind gleich, vieles ist aber verschieden.
SFP: Wer gehört noch zum medizinischen Personal?
Markus: Neben mir gibt es noch einen weiteren Physiotherapeuten bei den Scorpions, meinen Kollegen Dave Dale.

SFP: Habt Ihr einen festen Teamarzt? Ist der bei den Spielen immer dabei?
Markus: Ja, wir haben unseren Teamarzt Dr. Lars Heide. Einen Arzt braucht jedes Team, da das von der DEL vorgeschrieben ist. Wenn die Gastmannschaft z. B. keinen eigenen Arzt dabei hat, kümmert sich unser Doc auch um deren Spieler.
Ansonsten haben wir noch bestimmte Spezialisten, kommt auf die entsprechenden Verletzungen an. Der Arzt fährt auswärts eigentlich nur zu besonderen Spielen mit, z. B. in den Playoffs. Ich bin aber auch nicht bei jedem Auswärtsspiel dabei, nur bei Bedarf. Dafür führe ich an eigentlich freien Tagen Behandlungen durch. Wenn z. B. 2-3 Spieler behandelt werden müssen, muss Dave nicht extra zur Arena kommen, dass mach ich dann.
SFP: Wie sieht Dein Spieltag aus?
Markus: Ich bin so 2,5 – 3 Stunden vorm Spiel in der Halle. Als erstes bereite ich die Pausengetränke vor, die nach dem Warm Up und in den Drittelpausen in der Kabine gereicht werden. Manche Spieler haben da so ihre Rituale, der eine möchte das Getränk auf seinem Platz stehen haben, der andere nicht.
Kältepackungen bereite ich ebenfalls vor. Außerdem treffe ich wettkampfvorbereitende Maßnahmen, also mal hier ein Tape oder da ein Pflaster kleben und angeschlagene Spieler mit Physiotherapie auf das Spiel vorbereiten.
Passiert während des Spiels etwas, lege ich z. B. Eisverbände an. Steife Muskulatur nach Checks wird mit Sportgels behandelt und massiert. Wir haben hier in der Kabine eine Entmüdungswanne, die muss ich ebenfalls vorbereiten, da sie nach den Spielen genutzt wird.
Nach dem Spiel führe ich dann Entmüdungs-Maßnahmen wie z. B. Lymphdrainagen durch, die zwar zeitaufwendig aber sehr effektiv sind.
SFP: Was machst Du außerhalb der Eishockeysaison?
Markus: In erster Linie die Zeit mit der Familie nachholen. Ich habe eine kleine Tochter, mit der wir in der Sommerpause natürlich viel unternehmen. Gucke mir in der Freizeit außerdem viel Fußball an, von der Kreisklasse bis zur Bundesliga. Ich bin also öfters mal auf dem Sportplatz oder im Stadion. Als eigene Saisonvorbereitung treibe ich ebenfalls viel Sport, z. B. Krafttraining und Spinning. Für die lange Saison muss auch der Physiotherapeut eine gewisse körperliche Fitness mitbringen.
SFP: Spielst Du selbst auch Eishockey bzw. hast mal gespielt?
Markus: Ja, in der Jugend beim ESC Wedemark. Ich habe leider aufgrund einer Augenkrankheit aufhören müssen. Manchmal dreh ich aber auch heute noch ein paar Runden auf dem Eis und schnappe mir gelegentlich mal nen Schläger und daddel ein bißchen rum.
SFP: Dein sportlich schönster Moment mit den Scorpions?
Markus: Das Halbfinale der Playoffs 2001 unter Trainer Olle Öst. Wir haben Köln im Viertelfinale ausgeschaltet, damit hat damals einfach niemand gerechnet. Im Halbfinale sind wir dann an den Adlern aus Mannheim gescheitert. Es war einfach eine sensationell gute Mannschaftsleistung.
Das Halbfinale 2006 unter Kevin Gaudet war auch prima. Den ERC Ingolstadt im Viertelfinale geschlagen, dann leider gegen die Eisbären ausgeschieden.
Die Playoffs 2009 waren auch gut, aber da waren wir auch in der Hauptrunde längere Zeit Tabellenführer. In den anderen Halbfinaljahren halt nicht.
Ich bin jedenfalls stolz drauf, dabei gewesen sein zu dürfen.
SFP: Dein lustigster Moment? Ist Dir z. B. schonmal jemand von der Liege gefallen?
Markus: Das hat es tatsächlich schon gegeben (lacht). Grundsätzlich passieren eigentlich jede Woche lustige Sachen, da fällt es schwer die besten Momente zu nennen.
Hm, es gab mal nen Spieler, der Wärmesalbe mit Kühlgel verwechselt und sich damit die Beine eingerieben hat. Nach jeder Dusche wurden die Beine wieder warm, darüber wurde noch längere Zeit gelacht.
Außerdem gab es mal ne ungewollte Dusche mit David Haas. Wir hatten ein Auswärtsspiel in Kassel, da ist die Kabine recht klein. Die Massagebank mussten wir aus Raumnot in die auch nicht sonderlich große Dusche stellen. Als ich die Behandlung bei David begonnen hatte, bin ich wohl mit dem Hintern gegen den Duschknopf gekommen. Tja, da konnten wir dann so schnell nicht mehr flüchten und waren pitschnass.

SFP: Momente in Deiner Scorpionszeit, die Du lieber vergessen würdest?
Markus: Das Pokalfinale 2009 gegen Wolfsburg! Wenn man schon im Finale ist, dann will man das ja auch gewinnen. Das ganze Team war top motiviert und hat sich gegenseitig gepusht. Hans hat auch alles gegeben, alle wollten den Sieg. Leider hat´s dann nicht gereicht. War für alle sehr frustrierend, ich war tagelang schlecht gelaunt.
SFP: Dein Lieblingseisstadion und warum gerade dieses?
Markus: Grundsätzlich natürlich die TUI-Arena. Zu Hause ist es einfach am schönsten, hier ist halt mein gewohnter Arbeitsplatz.
Die alten Eisstadien wie in Mellendorf, Straubing oder Iserlohn find ich auch nicht schlecht, da die Stimmung durch die Enge oft sehr gut ist.
SFP: Welche/n Ex-Scorpions Spieler vermisst Du und warum gerade die/sen?
Markus: Da müsste ich eigentlich bei A anfangen und bei Z aufhören. Ich behandle alle Jungs gleich, obwohl man mit manchen besser klar kommt als mit anderen.
Um doch einen Namen zu nennen sag ich Wally Schreiber. Der Typ war halt einfach super, der konnte Spiele entscheiden und drehen. Der hat einmal bei einem 1:3 Rückstand in der Kabine mit jedem Mitspieler gesprochen und für ne unglaubliche Motivation gesorgt. Er meinte dann, ich mach gleich ein Tor und für die anderen zwei Tore müsst ihr sorgen. Das ist dann wirklich so passiert! Einfach unglaublich!
Der konnte außerdem jede Position spielen und war ein absolut kompletter Eishockeyspieler mit unglaublicher Schnelligkeit.
SFP: Welchen Vereinen außer den Scorpions drückst Du noch die Daumen?
Markus: Hannover 96. Hoffe, dass es langsam mal wieder aufwärts geht und sie den Klassenerhalt schaffen.
Das Fanprojekt bedankt sich bei Markus für das Gespräch und den Einblick in seine Arbeit!

